Kraftstoffverbrauch: Labor ist nicht gleich Straße!

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Beim Neuwagenkauf wird in Zeiten hoher Spritpreise nicht nur auf Aussehen, Leistung und Ausstattung wert gelegt, sondern auch immer mehr auf den Kraftstoffverbrauch. Hierbei muss man sich oft auf die Angaben des Herstellers verlassen.
Weichen bei einem Neuwagen die Herstellerangaben um mindestens 10% von der Realität ab, so stellt dies einen erheblichen Mangel dar. Es besteht dann die Möglichkeit, von dem Kaufvertrag zurückzutreten. Nur, wann liegt eine Abweichung von der Realität überhaupt vor?

Die angegebenen Werte sind fast immer Laborwerte, die


nach den vorgeschriebenen Messverfahren RL (EG) 801268 (Euro 4) bzw. VO (EG) 715/2007 (Euro 5) in der jeweils gegenwärtig geltenden Fassung ermittelt wurden.


Laborwerte erzielt man auf der Straße eher selten, in der Regel wird der "echte" Verbrauch deutlich höher sein. Dies stellt nach Auffassung des OLG Brandenburg aber keinen Mangel dar.


Die nach EG-Messvorschriften zu ermittelnden und nach der Pkw-EnVKV mitzuteilenden Verbrauchswerte und die bei individueller Fahrweise erreichbaren Verbrauchswerte müssen sich nicht decken. Erstere sind „Laborwerte“, letztere werden von einer Vielzahl individueller Faktoren beeinflusst.

Ein Neuwagenkäufer darf sich also nicht darauf verlassen, tatsächlich den angegebenen Verbrauch zu erreichen. Der Käufer kann nur erwarten, dass die Herstellerangaben unter gleichen Testbedingungen reproduzierbar sind.

Daher: Wenn es auf den Spritverbrauch ankommt, sollte immer versucht werden, an "echte" Werte zu kommen, nicht nur an Laborwerte.

Das Urteil des OLG findet sich hier: Link